15. Internationaler Kongress 2016 für Podo-Posturaltherapie und Posturologie

Vom 29. bis 31. Januar 2016 hat in Berlin der
15. Internationaler Kongress 2016 für Podo-Posturaltherapie und Posturologie stattgefunden und wir waren mit dabei.

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Aufgrund des Praxiserweiterungs-Apéro am Donnerstag, den 29.01. (Bericht und Fotos folgen) sind wir erst am Freitag nach Berlin gefahren.

Interessante Dozenten und Vorträge wurden auf dem Kongress präsentiert.
Wir haben das für uns Interessanteste ein bißchen zusammengefasst:

Samstag, 30.01.2016

Vortrag: Das therapeutische Geheimnis der Füße von Hanne Marquardt (Deutschland)

Hanne Marquardt, Jahrgang 1933; zwischen 1951 und 1962 Ausbildung zur Krankenschwester (England), statt. geprüfte Masseurin, Atemtherapeutin, Heilpraktikerin. 1958 erste Berührung mit dem Grundwissen über Fußreflex aus den USA. Von 1958 bis 2000 eigene Praxis als Masseurin bzw. Heilpraktikerin, Schwerpunkt Fußreflex.

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 „Die Behandlung der Füße kann auf Jahrtausende altes Erfahrungsgut zurückgreifen und hat inzwischen viele Entwicklungsstadien erlebt. Fußreflexmassage kann in allen Altersgruppen eingesetzt werden und hat relativ wenige Kontraindikationen. Schon bei Säuglingen und Kleinkindern wirkt sie nachhaltig und kann ihnen bei vielen Dysregulationen – organisch, statisch-muskulär, emotional – „auf die Füße“ helfen.“

 

Vortrag: Chronische Schmerzen in der Podo-Posturaltherapie/Postruologie von Philippe Villeneuve (Frankreich)

 „Das posturale Defizient Syndrom (pDS) wurde 1979 von Da Cunha beschrieben. Es ist bei bestimmten Augenärzten, Rehabilitationspersonal und Posturologen bekannt, aber leider fast unbekannt bei anderen Personen, die im medizinischen Bereichstätig sind. Es basiert auf einem klinischen Aspekt und einer Gruppe von nicht spezifischen Symptomen….“

Vortrag: (Kiefer-) Orthopädie vom Zahn bis zur Zehe von Dr. Hubert v. Treuengels (Deutschland)

 „Weil der Mensch u.a. mit einem fliehenden Kinn (zurückliegenden Unterkiefer) und Plattfüßen geboren wird, braucht er eine gewisse Zeit und Anstrengung, um sich vollständig vom Zahn bis zur Zehe aus- und aufzurichten.
Den korrekten Biss muss er sich durch kompetentes Atmen, Saugen, Kauen, Schlucken usw. erarbeiten. So richtig auf die Beine kommt er erst, nachdem er eifrig gerollt, gerobbt, gekrochen und gekrabbelt ist.

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Haltungs- und Bewegungsfehler, Deformierten und Dysfunktionen versucht der Organismus stets von Kopf bis Fuß (und umgekehrt) durch Adaption und Kompensation zu bewältigen. Mit Bissorthesen wie dem Biognathor und Podoorthesen wie den proprioceptiven Einlagen lässt sich dieses Selbstheilungsbestreben i.S. eines stellvertretenden Stützmittels stimulierend und steuernd nutzen. Die heilenden Möglichkeiten einer (Re-)Adaption werden dabei optimiert., die Notwendigkeit der Kompensation entsprechend reduziert. Mit den Übungen der Eurofunktionellen Reorganisation nach Padovan begleitet und wiederholt man die Bewegungs- und Aufrichtungssequenzen, um versäumte (z.B. krabblen, saugen u.a.) oder verlernte sensor-motorische Entwicklungsstufen ein- und aufzubauen.“

Vortrag: Neuroplastizität und euromimetische Rehabilitation von Prof. Jean-Pierre Roll, Universität Marseille (Frankreich)

Prof. Jean-Pierre Roll ist Professor Eheritus an der Universität von Aix-Marseille, wo er die funktionelle Neurophysiologei, die integrativen kognitiven Neurowissenschaften gelehrt hat. Er ist Autor von 120 internationalen Publikationen.

 „Die therapeutische Immobilisation des ganzen Körpers oder eines seines Glieder nimmt dem zentralen Nervensystem die propriozeptiven Informationen und die des Hautgewebes, die zu der Handlungsplanung und der Erhaltung des Körperbildes erforderlich ist.
Wir haben die Voraussetzung, mit dem MRT Verfahren getestet, dass diese transitorische niedrige Afferenzen von einer Veränderung der kortikalen Netzwerke begleitet sind, die bei der körperlichen Darstellung und der bewussten Motorik beteiligt sind.
Wir haben gezeigt, dass die Anwendung von euromimetischen Vibrationsstimulationsmustern, bei einem ruhig gestellten Glied eine Bewegung simuliert, sodass die anatomischen und funktionellen Eigenschaften dieser Nerven Netzwerke erhalten. Basierend auf diesen Erkenntnissen haben wir diese Methodik auf die Rehabilitation der Fortbewegung ausgebreitet.“

Vortrag: Muskuläre und cutten Propriozeption von Dr. Régine Roll, Universität Marseille (Frankreich)

 Régine Roll ist Honorarforscherin im CNRS und an der Universität von AIx-Marseille, wo sie in der Forschung und Lehre der kognitiven Neurowissenschaft tätig ist.

 „Sie sensorische Rezeption sowie die Mechanorezeptoren informieren das Zentrale Nervensystem über die Handlungen des Körpers. Die muskuläre und taktile Sensibilität zeigen Ähnlichkeiten in ihrer neurosensorischen Organisation. Diese Informationen sind relevant für die Organisation der Bewegungssteuerung und bilden die wichtigste Quelle für die Darstellung des Körpers und dessen Handlungen.“

Vortrag: Einfluss des abdominalen Druckes auf unsere aufrechte Haltung – Halte den Druck hoch! von Prof. Gert Jan Kleinrensink, Universität Rotterdam & Dr. Jan Paul von Wingerten, Spine&Joint Center (Niederlande)

 „Seit Galenus und Vesalius sehen wir den Bewegungsapparat als eine Sammlung von Knochen, zusammengehalten von Bändern und Muskeln. Mehr und mehr zeigt es sich, dass dieses Modell uns in den Erklärungen von der Wirkung und von den Beschwerden an unserem Bewegungsapparat beschränkt.“

Vortrag: Osteopathie und Podo Postrualtherapie eine Synergie von Rob Muts, Niederlande

Rob Muts befasste sich etwas sechzehn Jahre lang mit den unterschiedlichsten Richtungen der Schulmedizin und der alternativen Heilkunde, wie Osteopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Podotherapie, Homöopathie, Ayurveda, Orthomolekulare Medizin und Mesologie. Gegenwärtig ist er Direktor der Akademie für Mesologie und des College Sutherland für Osteopathie in Amsterdam. Darüber hinaus ist er Gründer und Direktor des Integral-Medizinischen Zentrums in Amsterdam, ein Zentrum für Diagnostik und Therapie mit Integration und Zusammenarbeit unterschiedlicher komplementärer Heilkunden.

 „Osteopathie beschäftigt sich mit der freien Beweglichkeit von allen Geweben im menschlichen Körper. Mit der freien Beweglichkeit können alle Strukturen ihr normale Funktion ausüben sowie Skelett, Muskeln, Organe, Nerven usw. Auch für die Postural-Funktion braucht der Körper als Einheit die freie Beweglichkeit. Das fasziale System des Körpers ist so aufgebaut, dass unsere aufrechte Haltung kaum Energie kostet.
Podo-Posturaltherapie ist eine wunderschöne Form, womit das Individuum sein Gleichgewicht (Haltung) zurückfinden kann.
In Zusammenarbeit mit der Osteopathie kann dies in individueller Freiheit erreicht werden.“

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Nach einem netten Abend in Berlin mit gutem ägyptischen Essen geht’s heute, Sonntag, 31.01.2016, frisch und munter weiter!
Vortrag: Fötale und Postnatale Entwicklung: Auswirkung auf die Haltung von Roselyne Lavauze-Pol (Frankreich)

In ihrem Vortrag zeigt sie imposante Verlaufskontrollen osteopathischer Behandlungen von Dysfunktionen im Bereich des Kopfgelenkes und deren Auswirkungen auf Schädelform, Haltung und Funktion.

Vortrag: Neurootologie und Posture von Dr. Dietmar Basta, Universität Berlin (Deutschland)

Dr. Dietmar Basta: 1990-1996 Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin, 1998 Promotion zum Doctor rerum naturalium (Dr.rer.nat.), Spezialisierung Neurobiologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, 2009 Habilitation für das Fach Physiologie am Institut für Europhysiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

„Neben vielfältigen sensorischen Informationen (z.B. visuell, propriozeptiv) haben auch die insgesamt 10 peripheren Gleichgewichtsorgane im Innenohr einen entscheidenden Anteil an der Gewährleistung der postoralen Kontrolle. Das wird insbesondere bei einer Dysfunktion bzw. einem Rezeptorausfall deutlich. Mithilfe von Kraftaufnehmerplatten und modernen Messgeräten zur Überwachung der Körperschwankung nahe des Körperschwerpunktes kann die Bedeutung verschiedener neurootologischer Erkrankungen für die postorale Kontrolle unter verschiedenen sensor-motorischen Konditionen bestimmt werden.“

Vortrag: Die Faszie, ihre Sensoren und die Kontraktilität. Ein sinnvoller Einsatz in der Podo-Postrualtherapie/Posturologie von Dr. Heike Jäger, Universität Ulm (Deutschland)

 

Dr. Heike Jäger ist Biologin und arbeitet unter anderem in der Faszien-Forschungsgruppe der Division of Neurophysiologie der Universität Ulm.

Sie zeigt die neuesten Forschungsergebnisse aus dem wundervollen und faszinierenden Gebiet des Bindegewebes.

 

Vortrag: Einflüsse verschiedener Fußpathologien auf die Statik und Dynamik des Menschen von Ina der Harmes (Deutschland)

 FullSizeRender„Die Füße sind unser direkter Kontakt zum Boden. Sie bilden die Brücke zwischen der Außenwelt und der inneren Haltung. Jede Fußabweichung verursacht daher eine Änderung der inneren Haltung und unserer Bewegungsmuster.

Was geschieht z.B. wenn ein Zeh (metatarsal) zu lang oder zu kurz ist? Wie reagiert der Körper und wo kann man Störungen/Blockaden/Beschwerden erwarten?


Die Elemente, die in diesem Vortrag vorgestellt werden, sind immer Zusatzelemente in der individuell angepassten europhysiologischen Sohle.

Eine Fußabweichung, die man häufig sieht, ist ein verlängerter Metatarsale II, den sogenannten Pes Atavus oder Pes Avarus. Diese Verlängerung stört das Abrollverfahren. Statt über den Großzeh abzurollen wird jetzt mehr in einer Pronation oder in einer Supination abgerollt. Jeder Patient sucht sein individuell bestes Abweichmuster. Dies führ aber dazu, dass dasBein mehr oder weniger in eine Endorotation gebracht wird und damit das Becken (bei einer verstärkten Pronation) zu viel nach anterior kippt oder (beim Abrollen in der Supination) zu viel in der Pronation hängen bleibt. Der Patient kommt mit Beschwerden, verursacht durch die ISG-Blockade, nur selten, weil der Fuß Beschwerden kippt. Durch eine kleine Änderung im Vorfußbereich der Therapiesohle entsteht direkt ein besseres Abrollverhalten und verringert somit die Gefahr auf weitere rezidivierende Blockaden.“

 

Vortrag: Die Stimme, das Gehör und unsere Haltung – was hat das miteinander zu tun? von J.Quoidbach (Belgien)

 J.Quoidbach ist Physiotherapeut und Professor am IMEP (Institut Supérieur de Musique et de Pédagogie) in Belgien. Er hat über die Bedeutung der Haltung bei Musikerin, im Speziellen Sängern referiert.

Vortrag: Der nackte Fuß – Tatsachen und Wissenswertes aus Evolution und neuester Forschung von Judith Weisz (Deutschland)

 FullSizeRender 9Judith Weisz: Studium der Humanmedizin; Weiterbildung zur Bodo Postural Therapeutin; 5-jährige Ausbildung zur Osteopathie; Internationale Dozentin für Innere Medizin, Differentialdiagnostik seit 2002 sowie für Viszerokranium und Sutherland-Techniken seit 2013.

„Seit wann gehen wir aufrecht, auf unseren Füßen? Wie hat sich dieses Gehen seit Anbeginn entwickelt und wann kam der Schuh zu uns? Was passiert in unserem Körper, wenn der nackte Fuß die Erde berührt? Welche Informationen nimmt er auf und inwiefern ist das für uns von Interesse? Wer und was steckt hinter dem neuen Forschungszweig, der sich mit Barfußlaufen befasst? Diesen und andere Fragen gehen wir gemeinsam nach, für einen neuen Blick auf die Frage: barfuß laufen – wär’ das was?“

Vortrag: Neuronale Dysfunktion des Nerven Trigenminus: Schmerzhafte cephalo-zervikale und postorale Folgen von Monica Martinez Carrasco (Spanien)

Monica Martinez Carrasco: Physiotherapeutin, Spezialistin in Sport und Urigynäkologie, Leiterin der ESPV

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„Um eine dauerhafte Wirkung zu haben, sollte die Behandlung der chronischen cephalo-zervikalen Schmerzen die schützenden Hypertonien berücksichtigen, die meistens durch neuerogene Dysfunktionen verursacht werden.“

 

 

Schön war’s in Berlin und interessant!

IVO JUDITH